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Ausgleichspaket für Schneekanonen - GZ vom 19.02.2008
GZ vom 19.02.2008 - Bericht von Oliver Stade
Ausgleichspaket für Schneekanonen

Nationalpark und Niedersächsischer Skiverband vor Einigung- Naturflächen sollen Eingriffe aufwiegen

WERNIGERODE. Nationalparkleiter Andreas Pusch hat die fachliche Prüfung für den umstrittenen Schneekanonen-Einsatz im Schutzgebiet am Sonnenberg beendet. In den nächsten Tagen soll der Niedersächsische Skiverband den Bescheid erhalten.

Niemand zweifelt mehr daran, dass Pusch den Einsatz der Beschnei-ungsanlägen genehmigt. Offiziell äußern will er sich derzeit nicht. Er bezeichnet die Verhandlungen über die Ausgleichsmaßnahmen aber als zäh, ein Hinweis auf schwierige Kompromissgespräche. Sie sind erforderlich, um dem Eingriff in die Natur durch weitere Schutzflächen etwas entgegenzusetzen.
Noch fehlt die letzte Unterschrift unter dem Kompromiss-Ergebnis. Wenn sie geleistet ist, soll der Genehmigungsbescheid die Nationalparkverwaltung in Wernigerode verlassen. Mit dem Ergebnis des Kompromisses könne er leben, sagte Püsch. „Es ist mehr als ein Scheinausgleich."
Allerdings ist bekannt, dass die Schneekanonen ihm Bauchschmerzen bereiten dürften. Das länderübergreifende Schutzgebiet im Harz ist damit der einzige deutsche Nationalpark, in dem Schneekanonen genehmigt sind. Naturschutzverbände haben den Einsatz der Anlagen heftig kritisiert. Offen ist, ob nach der Genehmigung mit einer Klage von Umweltschützern zu rechnen ist. Dadurch könnte das Verfahren verzögert werden.
Der NSV mit seinem Präsidenten Walter Lampe, zugleich Chef der Samtgemeindeverwaltung in Claus-thal-Zellerfeld, plant den Einsatz von Schneekanonen auf Sonnenberg etwa seit dem Jahr 2000. Ziel ist nun, mit den Bauarbeiten im Sommer zu beginnen, um die Loipen im Leistungszentrum kommenden Winter beschneien zu können.
Zuletzt hatte es auf politischer Ebene Diskussionen und Kritik gegeben, weil die Landesregierung Hannover Fördergeld zugesagt hatte, noch bevor die fachliche Prüfung abgeschlossen war.
Der Kompromiss für den baulichen Eingriff am Sonnenberg sieht drei Ausgleichsflächen vor:
An der Wettkampfstrecke in Oderbrück wird eine Loipenschleife am Königskopf aufgegeben.
Derzeit laufen Gespräche, um die Rehberg-Abfahrt, die sich im Nationalparkgebiet befindet, nicht mehr zu nutzen. Sie genießt zwar Bestandsschutz, darf aber ohnehin nicht modernisiert werden.
Der Skiwanderweg an den Hopfensäcken bei Oderbrück wird stillgelegt.
Wie es heißt, soll Pusch dem NSV die Hopfensäcke regelrecht abgetrotzt haben. Kein Entgegenkommen zeigte indes der Ski-Club Alte-nau. Pusch wollte, dass der Verein das Ski-Kreuz auf dem Bruchberggipfel aufgibt, an dem der Toten gedacht wird. Es hätte dafür eine Ersatzfläche gegeben.
Zu den weiteren Ausgleichsmaßnahmen zählen unter anderem Strauch- und Baumpflanzungen entlang der zwei Kilometer langen Wasserleitung, die vom Oderteich nach Sonnenberg führt. Über sie wird das Wasser für die Beschnei-ungsanlage aus dem Rehberger Graben transportiert. Außerdem wird ein ehemaliger Parkplatz zwischen der B242 und Sonnenberg zurückgebaut und als Naturfläche sich selbst überlassen.
Um abzuschätzen, wie sich der Lärm der Kunstschnee-Erzeuger, die vorwiegend nachts in Betrieb sind, auf die Tierwelt auswirkt, wurde ein Fachbüro beauftragt. Die Experten sollen fünf Jahre lang beobachten, ob sich das Brutverhalten des Sperlingskauzes verändert.


Wettkampf im Regen: Die Rehberg-Abfahrt bei St.Andreasberg soll als Kompensation für den Schneekanonen-Einsatz nicht mehr genutzt werden. Dazu laufen derzeit Gespräche. Archivfoto: Siebeneicher


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